Bruce Sterling verdeutlicht metaphorisch, dass das Internet vergleichbar mit kulturellen Besitzständen einer Gemeinschaft ist:
The Internet’s `anarchy’ may seem strange or even unnatural, but it makes a certain deep and basic sense. It’s rather like the `anarchy’ of the English language. Nobody rents English, and nobody owns English. As an English-speaking person, it’s up to you to learn how to speak English properly and make whatever use you please of it (though the government provides certain subsidies to help you learn to read and write a bit). Otherwise, everybody just sort of pitches in, and somehow the thing evolves on its own, and somehow turns out workable. And interesting. Fascinating, even. Though a lot of people earn their living from using and exploiting and teaching English, `English’ as an institution is public property, a public good. Much the same goes for the Internet. Would English be improved if the `The English Language, Inc.’ had a board of directors and a chief executive officer, or a President and a Congress? There’d probably be a lot fewer new words in English, and a lot fewer new ideas.
Bruce Sterling, A Short History of the Internet. THE MAGAZINE OF FANTASY AND SCIENCE FICTION, Feb 1993.
gopher://gopher.eff.org/00/Publications/Bruce_Sterling/FSF_columns/fsf5
Update: Dass Sprache nicht als Metapher taugt, belegt vera in einem Kommentar zum Artikel.
Tags: Netz



der text ist von 1993; auch damals war schon ein hauptvorwurf gegen ihn, dass ausgerechnet sprache als metapher herhalten muss.
die amerikaner haben mehrere staatliche stellen in stabsfunktion, die sich – sichtlich erfolgreich – um die internationale verbreitung amerikanischer sprache und begrifflichkeiten bemühen; ein wenig erstaunlich bei der anscheinenden lässigkeit in der alltagssprache. die franzosen behandeln ihre sprache als kostbarkeit, die von verschiedenen instituten wie der académie française behütet und geschützt wird, veränderungen werden tatsächlich amtlich beschlossen. im spanischen (castellan) hat sich im lauf der zeit nur das nötigste verändert, etwa um ausdrücke an die moderne bzw. den nationalen gegebenheiten anzupassen. (wenn ich mir heute deutsch anhöre, habe ich oft angst, dass es ‘austrocknet’, verarmt.)
die entwicklung des internets ist nicht mit der einer sprache zu vergleichen. sprache kann sich nur in einem relativ starren rahmen ‘modernisieren’, vor allem, weil sie nicht durch individuen, sondern durch gemeinschaften bestimmt wird. der sprachliche umgang der lokalen, regionalen, (..) gemeinschaft wirkt auf das individuum zurück. das internet entwickelt sich genau anders herum: das individuum gibt die anstösse, wenige entwickeln etwas, das in die gemeinschaft(en) hinein wirkt.
zu dem thema interessant (habs bei netzpolitik schon mal gesagt): karl steinbuch, die informierte gesellschaft, stuttgart 1965, antiquarisch, und padeluuns beschreibung, wie in deutschland alles anfing.
waren durchgequatschte nächte damals ™ – geh jetzt schlafen -