Mit ‘Freiheit’ getaggte Artikel

3sat: Es geht nicht um Kinderpornografie sondern darum die Freiheit des Einzelnen einzuschränken

Bericht von 3sat über die Motive zur Einführung einer Internetsperre von DNS Poisoning.


… Petition gegen die Indizierung und Sperrung von Internetseiten unterzeichnen

Siehe auch: 3sat: Befindet sich die BRD auf dem chinesischen Weg der Zensur?

Website der Deutschen Kinderhilfe gehackt

Die Website der CDU PR-SchleuderDeutsche Kinderhilfe” wurde neu und viel informativer gestaltet. Allgemein wird die Aktion – zurecht – als kontraproduktiv eingeschätzt . Dagegen schreibt hierzu blog.save-privacy.de:

Ob solche Aktionen die Gegner der Internetsperren weiterbringen werden ist durchaus diskussionswürdig und man sollte es in meinen Augen nicht gleich als kontraproduktiv abtun. Schauen wir uns andere Protestformen an, wie sie etwa in der Anti-Atom-Bewegung (Anketten an Bahngleisen, Sitzblockaden, Blockierung des Bahnverkehrs durch Wurfhaken etc.) oder etwa von Greenpeace angewendet werden, so ist das sicherlich vergleichbar, zumal beim aktuellen Hack keinerlei Körperverletzungen oder Sachschaden zu befürchten sind

Lachen musste ich jedenfalls über das Defacement (wollte die Deutsche Kinderhilfe heute eigentlich nicht vor Fussballstadien herumlungern?):

Deutschlands Kinder brauchen uns!

Deutsche Kinderhilfe ist die nationale Kinderhilfsorganisation, die wegen dubioser Machenschaften 2008 aus dem Spendenrat geworfen wurde. Momentan engagiert sie sich wegen des großen Presserummels aktiv gegen die äußerst erfolgreiche Online Petition gegen Internetzensur.

Eines der Hauptanliegen der Deutschen Kinderhilfe ist die Unterstützung von Politikern, die aktiv sinnlose Symbolpolitik im Kampf gegen Kinderpornografie betreiben. Dies begünstigt eine schleichende Zensur des Internets und führt nicht zum Schutz von Kindern vor Ausbeutung und Vergewaltigung. Die logische Schlussfolgerung ist demnach, dass sich die Deutsche Kinderhilfe einem aktiveren Kinderschutz und der wirklichen Löschung kinderpornografischer Inhalte auf ausländischen Servern in den Weg stellt. Wie leicht diese erreicht werden kann, wurde bereits von Care Child nachgewiesen und sollte unbedingt hier nachgelesen werden.

Wie groß das Risiko einer schleichenden Zensur tatsächlich ist, wird durch bereits jetzt angemeldete Forderungen diverser Glücksspiel Gesellschaften und Medienunternehmen auffällig. Diese wünschen sich bereits ohne beschlossenes Gesetz eine Ausweitung der Sperren, da die Infrastruktur zur Zensur des Internets dann ja vorhanden sei.

Werte Bürger und Gesetzgeber: Bitte lassen Sie es alle nicht soweit kommen!

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Online Petition gegen Zensur des Internets

Text der Petition

Wir fordern, daß der Deutsche Bundestag die Änderung des Telemediengesetzes nach dem Gesetzentwurf des Bundeskabinetts vom 22.4.09 ablehnt. Wir halten das geplante Vorgehen, Internetseiten vom BKA indizieren & von den Providern sperren zu lassen, für undurchsichtig & unkontrollierbar, da die “Sperrlisten” weder einsehbar sind noch genau festgelegt ist, nach welchen Kriterien Webseiten auf die Liste gesetzt werden. Wir sehen darin eine Gefährdung des Grundrechtes auf Informationsfreiheit.

Begründung

Das vornehmliche Ziel – Kinder zu schützen und sowohl ihren Mißbrauch, als auch die Verbreitung von Kinderpornografie, zu verhindern stellen wir dabei absolut nicht in Frage – im Gegenteil, es ist in unser aller Interesse. Dass die im Vorhaben vorgesehenen Maßnahmen dafür denkbar ungeeignet sind, wurde an vielen Stellen offengelegt und von Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen mehrfach bestätigt. Eine Sperrung von Internetseiten hat so gut wie keinen nachweisbaren Einfluß auf die körperliche und seelische Unversehrtheit mißbrauchter Kinder.

Mit einem Bein im Knast

Daß der  neue Entwurf zum Sperren von kinderpornographischen Seiten nicht nur zum Zensieren unliebsamer -aber legaler- Inhalte taugt,  sondern auch Möglichkeiten für Angreifer bietet, sein Opfer Verfolgung durch die Justiz auszusetzen haben ja Alvar Freude und Holger Köpke schon berichtet.

Nachdem Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) ja verlauten lies, daß jeder der auf dieser Sperrseite landet, mit Strafverfolgung zu rechnen habe, und beweisen müsse, das es sich bei dem Aufruf der gesperrten Seite um ein Versehen handele, ist es geboten nocheinmal darauf hinzuweisen, wie einfach es ist, auf so eine Seite zuzugreifen ohne das zu merken.

Die Angriffsmöglichkeit über iFrames und Skripte sind schon genannt worden, aber es geht auch einfacher: Prefetch.

Aktuelle Firefox-Versionen verwenden eine Funktion, bei der entsprechend markierte Links in angezeigten Seiten im Hintergrund bereits verfolgt und heruntergeladen wird. Besonders für Anwender mit langsamen Verbindungen ist das praktisch, weil -so die Prefetch-Links sinnvoll gesetzt sind- die Seite, die wahrscheinlich als nächste betrachtet wird, geladen wird, solange der User die vorherige Seite noch betrachtet.

Google macht regen Gebrauch von dieser Funktion, in dem die Suchmaschine eine Bewertung vornimmt, und die Seiten, die der User am wahrscheinlichsten Aufrufen wird, entsprechend markiert. Auf dem Bildschirm sieht man davon allerdings nichts. Erst ein Blick in den Browser Quellcode offenbart, wo der Mechanismus greift.

Prefetchflag bei Wikileaks

Prefetchflag bei Wikileaks

Google fügt diesen Link zwar nur ein, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, daß der User auf Informationen auf Wikileaks gesucht hat (sucht man nur nach Wikileaks fehlt der Link), aber es besteht die Möglichkeit auf eine gesperrte Seite zuzugreifen, nur dadurch, daß man die Suchergebnisse von Google ansieht.

Ich habe bewußt das Beispiel WikiLeaks gewählt, weil nach der Einführung des Gesetzes eine gute Chance besteht, daß Wikileaks auf der Liste landet. Sollte das BKA den Fehler der Briten zu wiederholen, und Wikipedia auf die Liste setzen, wird die Gefahr noch größer, wenn man bedenkt, wie häufig die Wikipedia in den Googleergebnissen auftaucht.

Besonders wenn die Bedrohung, wikileaks.org auf die Zensurliste zu setzen, Realität wird, werden die Staatsanwaltschaften wohl in Zukunft viel mehr Arbeit haben.

Zum Schluß noch ein Tipp, wie man den Prefetch abstellen kann. Beim Firefox ist diese Funktion voreingestellt. Duch Eingabe about:config erreicht man die Voreinstellungsseite von Firefox. Hier setzt man die Option network.prefetch-next auf false.

Update: Netzpolitik.org schreibt nun auch über das moderne Abenteuer Prefetching.

Das Schweigen der EU

Am 1. Januar tritt in Ungarn ein neues Mediengesetz in Kraft. Die “Nationale Medien und Kommunikationsbehörde” NMHH (Nemzeti Média -És Híkölési Hatóság) soll in Zukunft darüber wachen, dass sich alle Medien, also Fernsehen, Zeitungen aber auch Internetseiten und Blogger, an die offiziellen Regeln halten.
Sanktioniert werden sollen Regelverstöße gegen den Jugendschutz, aber auch “unausgewogene Berichterstattung”. In solchen Fällen kann die NMHH Bußgelder bis zu 200 Millonen Forint (ca. 610000€) gegen Fernseh- und Radiostationen, und bis zu 25 Millionen Forint gegen Zeitungen bzw. 10 Millionen gegen Webseiten verhängen, wie die britische BBC berichtet. Was “unausgewogene Berichterstattung” ist, liegt dabei im Ermessen der Sachbearbeiter der NMHH. Laut Berichten der Nachrichtenagentur Reuters wird die NMHH direkt dem Innenministerium unterstellt sein, und mutmaßlich vorwiegend von Leuten besetzt werden, die der Regierungspartei von Präsident Viktor Orban, Fidez, nahestehen. Dabei ist nicht vorgesehen, dass -wie etwa bei der britischen Regulierungsbehörde OFCOM- eine Beschwerde von dritter Seite vorliegen muss. Die NMHH kann ganz eigenständig entscheiden, ob und gegen wen sie vorgeht.
Die verhängten Bußgelder müssen dabei von den Beschuldigten zunächst gezahlt werden, bevor ein Widerspruch möglich ist. Das Widerspruchsverfahren kann sich dann über Jahre hinziehen und kostet nochmal hohe Summen an Anwalts- und Gerichtskosten. Für eine kleine Zeitung würde so ein Verfahren also den wirtschaftlichen Ruin zur folge haben.

 Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat in diesem Zusammenhang ihre Sorge geäußert, dass dies negative Auswirkungen auf die Pressefreiheit in dem Land haben wird, dass am 1. Januar die Ratspräsidentschaft der EU übernimmt.
Beunruhigend ist, wie verhaltend die Reaktionen der anderen EU-Staaten auf diesen massiven Eingriff in die Pressefreiheit ausfällt. Keine Regierung hat bislang lautstark Kritik geübt, anders als im Jahr 2000, als die EU-Staaten Österreich mit diplomatischen Sanktionen belegte, um gegen die Regierungsbeteiligung der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei (FPÖ) Jörg Haiders zu protestieren.
Die rechts-konservative Fidez Partei von Viktor Orban fischt in ähnlichen Gewässern wie weiland die FPÖ, zu stören scheint das in der EU jedoch nur wenige.
Das europäische Blogging-Portal ruft nun dazu auf, gegen die Übernahme der Ratspräsidentschaft zu protestieren, und die EU-Mitgliedstaaten dazu aufzurufen, gegen das ungarische Verhalten zu protestieren.

Ich schließe mich diesem Protest an, und zitiere mal aus dem Original-Aufruf:

Europe’s bloggers are not going to
accept that the EU Council will be presided over by a country acting
against the fundamental rights of EU citizens. Such
rank hypocrisy cannot go unchallenged. Article 11 of the Charter of Fundamental Rights and Freedoms of the EU is very clear about this:

1. Everyone has the right to freedom of expression. This right shall include freedom to hold opinions and to receive and impart information and ideas without interference by public authority and regardless of frontiers.

2. The freedom and pluralism of the media shall be respected.

We see this right being violated by the
upcoming EU Council Presidency and are thus inviting bloggers from all
around the EU to join our European Blog Action.

Nicht nur wird hier das Recht der Ungarn auf Presse- und Informationsfreiheit mit Füßen getreten, es ist auch ein Affront gegen alle Bürger der EU, und gegen die von unseren Politikern doch sonst immer so gerne zitierte “Wertegemeinschaft”.
Zudem lassen die Entwicklungen in den übrigen EU-Staaten befürchten, dass Ungarn in Zukunft kein Einzelfall bleiben könnte, sondern dass die Zenursulas und Censilias der EU schon die hierzu passende Richtlinie in der Schublade haben.