Mit ‘Zensur’ getaggte Artikel

Deutsche Kinderhilfe & Erich Honecker

Was für ein Witz: Die Deutsche Kinderhilfe lässt – ohne Angabe von Quellen – via Welt-Online verkünden, dass 92% der Deutschen für eine Sperrung kinderpornografischer Seiten im Internet plädieren … Demagogie ist nun mal das Spezialgebiet der Deutschen Kinderhilfe. Eins muss man der Deutschen Kinderhilfe lassen, wie READERSEDITION ganz richtig erkannt hat, verschaffte sich ansonsten nur Erich Honecker bei der Kommunalwahl von 1989 (nimmt man die Zahlen von unabhängigen Wahlbeobachtern) eine ähnlich hohe Zustimmung. Aber betrachten wir mal wirklich vergleichbare Werte:

(Stand 17. Mai 2008. Beide Petitionen können noch unterzeichnet werden).
PS.: Die Umfrage der Deutschen Kinderhilfe hat Dimap durchgeführt, bei forsa bekommt man vergleichbare Umfragen ab 1500€.

Update: Lacher des Tages: Hier die zwei Fragen der Deutschen Kinderhilfe. Kein Wunder, dass man diese Fragen nicht sofort veröffentlicht hat.

Pressemitteilung des AK-Zensur: Löschen statt Verstecken! Internet-Experten sagen: Im Kampf gegen Kinderpornographie sind Sperrgesetze keine Lösung

Und noch ein Update: 90% gegen Zensur des Internets – schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Kinderhilfe

3sat: Es geht nicht um Kinderpornografie sondern darum die Freiheit des Einzelnen einzuschränken

Bericht von 3sat über die Motive zur Einführung einer Internetsperre von DNS Poisoning.


… Petition gegen die Indizierung und Sperrung von Internetseiten unterzeichnen

Siehe auch: 3sat: Befindet sich die BRD auf dem chinesischen Weg der Zensur?

Website der Deutschen Kinderhilfe gehackt

Die Website der CDU PR-SchleuderDeutsche Kinderhilfe” wurde neu und viel informativer gestaltet. Allgemein wird die Aktion – zurecht – als kontraproduktiv eingeschätzt . Dagegen schreibt hierzu blog.save-privacy.de:

Ob solche Aktionen die Gegner der Internetsperren weiterbringen werden ist durchaus diskussionswürdig und man sollte es in meinen Augen nicht gleich als kontraproduktiv abtun. Schauen wir uns andere Protestformen an, wie sie etwa in der Anti-Atom-Bewegung (Anketten an Bahngleisen, Sitzblockaden, Blockierung des Bahnverkehrs durch Wurfhaken etc.) oder etwa von Greenpeace angewendet werden, so ist das sicherlich vergleichbar, zumal beim aktuellen Hack keinerlei Körperverletzungen oder Sachschaden zu befürchten sind

Lachen musste ich jedenfalls über das Defacement (wollte die Deutsche Kinderhilfe heute eigentlich nicht vor Fussballstadien herumlungern?):

Deutschlands Kinder brauchen uns!

Deutsche Kinderhilfe ist die nationale Kinderhilfsorganisation, die wegen dubioser Machenschaften 2008 aus dem Spendenrat geworfen wurde. Momentan engagiert sie sich wegen des großen Presserummels aktiv gegen die äußerst erfolgreiche Online Petition gegen Internetzensur.

Eines der Hauptanliegen der Deutschen Kinderhilfe ist die Unterstützung von Politikern, die aktiv sinnlose Symbolpolitik im Kampf gegen Kinderpornografie betreiben. Dies begünstigt eine schleichende Zensur des Internets und führt nicht zum Schutz von Kindern vor Ausbeutung und Vergewaltigung. Die logische Schlussfolgerung ist demnach, dass sich die Deutsche Kinderhilfe einem aktiveren Kinderschutz und der wirklichen Löschung kinderpornografischer Inhalte auf ausländischen Servern in den Weg stellt. Wie leicht diese erreicht werden kann, wurde bereits von Care Child nachgewiesen und sollte unbedingt hier nachgelesen werden.

Wie groß das Risiko einer schleichenden Zensur tatsächlich ist, wird durch bereits jetzt angemeldete Forderungen diverser Glücksspiel Gesellschaften und Medienunternehmen auffällig. Diese wünschen sich bereits ohne beschlossenes Gesetz eine Ausweitung der Sperren, da die Infrastruktur zur Zensur des Internets dann ja vorhanden sei.

Werte Bürger und Gesetzgeber: Bitte lassen Sie es alle nicht soweit kommen!

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BMI sperrt Kritiker?

FeFe meldet gerade, daß das Bundesinnenministerium einen Provider dazu gebracht hat eine Seite, die die Homepage des BMI persifliert hat, vom Netz zu nehmen und dem Betreiber der Seite die Domain fristlos zu kündigen.

Angeblich, weil das BMI die Benutzung seines Logos nicht dulden will (kommt hier das Urheberrecht dazwischen?). Genaues ist noch nicht bekannt, aber mir läuft es trotzdem grade kalt den Rücken herunter. Hoffen wir, daß sich die Sache noch aufklärt.

Update: Ja, das Bundesinnenministerium hat die Seite aus dem Netz nehmen lassen.

Nicht alles was hinkt

…ist auch ein Vergleich, sagt der Volksmund. Einer, von dem man nicht unbedingt hinkende Vergleiche erwarten würde, ist Christoph Meinel, Direktor des Hasso-Plattner-Instituts. Meinel ist Professor für Informatik, und hat neben den Grundlagen der Informatik, auch zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema IT-Sicherheit herausgegeben.

Meinel fordert nun eine Versachlichung der Debatte über Sperrung kinderpornographischer Inhalte. Angesichts der Emotionaliät der aktuellen Auseinandersetzung, hat er damit zunächst einmal nicht unrecht. Sachlichkeit auf beiden Seiten ist dringend geboten.

Umso mehr überrascht es dann, daß sich Meinels Aufforderung ausschließlich an die Kritiker der Websperren richtet. Die stellenweise geradezu unerträglichen Entgleisungen der Minister von der Leyen und zu Guttenberg erwähnt Meinel mit keinem Wort, obwohl die beiden Minister es an demokratischer Diskussionskultur erheblich haben mangeln lassen.

Stattdessen wirft er den Kritikern des geplanten Gesetzes, in ähnlich polemischer Weise, vor “irrationale Ängste” zu schüren. Interessanterweise untermauert er mit seiner Argumentation, die Argumente der Kritiker, scheinbar ohne dies zu bemerken:

“Interessanterweise hat bei gedruckten Medien die Öffentlichkeit längst akzeptiert, dass Strafbares dort nicht veröffentlicht werden darf und versteht das nicht als Angriff auf die Meinungsfreiheit. Wir müssen lernen, dass dies auch für das noch sehr junge Medium Internet zu gelten hat”

Nun ist es aber ja so, daß eine der Forderungen der Kritiker von Websperren die ist, daß man die strafbaren Inhalte von den Servern entfernt, wenn man, was Voraussetzung für eine Sperre ist, ohnehin schon weiß wo diese Inhalte liegen. Veröffentlicht jemand strafbares in einer Zeitung, beschlagtnahmt die Staatsanwaltschaft ja auch die Auflage der Zeitung, anstatt an den Kiosken ein Tuch über die Auslage zu legen.

Herr Meinel hätte durchaus die Kompetenz und auch das gesellschaftliche Gewicht, die Diskussion in sachliche Bahnen zu lenken, und der Seite der Befürworter eine glaubwürdige Stimme geben zu können, die einen sachlichen Dialog beider Seiten einleitet. Leider hat er diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen, und schafft es nicht seiner eigenen Forderung Nachdruck zu verleihen.

Betroffen von Guttenberg

Guttenberg-Schablone

Wirtschaftsminister Guttenberg zur Online-Petition gegen die Zensur des Internets am 9. Mai in der Tagesschau:

“Es macht mich schon sehr betroffen, wenn pauschal der Eindruck entstehen sollte, dass es Menschen gibt, die sich gegen die Sperrung von kinderpornographischen Inhalten sträuben. Das ist nun wirklich einer der wichtigsten Vorhaben in vielerlei Hinsicht.”

Da kann man nur laut aufschreien … ein Popkulturjunkie macht das jedenfalls.

Internetsperre: Bundesregierung planlos?

Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Bündnis 90/Die Grünen) hat in einer Fragestunde am 21.01.2009 (pdf) die Bundesfamilienministerin Ursala von der Leyen u.a. gefragt, “welche Länder an vorderster Stelle liegen, was das Einstellen von Kinderpornografie ins Internet angeht”. Bis heute wurde seine Frage nicht beantwortet.

Die Deutsche Kinderhilfe & Ursula von der Leyen Konnektion

Von der Verbändelung zwischen Ursula von der Leyen, Karl-Theodor zu Guttenberg und dem Verein “Innocence in Danger” – von diesem Verein hat Zensursula u.a. die krude Vorstellung aufgegabelt, es gäbe einen “kommerziellen Massenmarkt” für Kinderpornografie mit “Millionen-Umsätzen” (Incompetence not in danger), berichtete Stefan Niggemeier. Durch eifrige Pressearbeit für eine Cleanfeed Zensur des Internets fällt ansonsten der “Verein Deutsche Kinderhilfe” auf. Die “Deutsche Kinderhilfe” schleimt sich dabei derartig bei Ursula von der Leyen ein, dass Christian Bahls vom Verein “MissbrauchsOpfer gegen InternetSperren” das Essen wieder hochkommt. Dazu hat die “Deutsche Kinderhilfe” aber auch einen triftigen Grund, schließlich wurde der Verein nach einem spektakulären Spenden- und Datenschutzskandal 2008 aus dem “Deutschen Spendenrat” ausgeschlossen. Die Welt hat damals dem Ganzen drei Artikel gewidmet und hebt im dritten Artikel hervor, dass die Skandale der “Deutschen Kinderhilfe” auch politisch höchst brisant sind, weil sich  der Verein bis dato auf großen Rückhalt von Ursula von der Leyen verlassen konnte … da muss jetzt wohl einiges wieder gerade gebogen werden. Schade nur, dass hier offensichtlich wieder Küngelei und keine effektive Verfolgung von Kinderpornografie im Vordergrund steht.

Update: Deutsche Kinderhilfe erneut in der Kritik

Siehe auch: Deutsche Kinderhilfe & Hartz IV Empfänger, Deutsche Kinderhilfe & Wikipedia, Deutsche Kinderhilfe & Erich Honecker, 90% gegen Zensur des Internets – schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Kinderhilfe

Online Petition gegen Zensur des Internets

Text der Petition

Wir fordern, daß der Deutsche Bundestag die Änderung des Telemediengesetzes nach dem Gesetzentwurf des Bundeskabinetts vom 22.4.09 ablehnt. Wir halten das geplante Vorgehen, Internetseiten vom BKA indizieren & von den Providern sperren zu lassen, für undurchsichtig & unkontrollierbar, da die “Sperrlisten” weder einsehbar sind noch genau festgelegt ist, nach welchen Kriterien Webseiten auf die Liste gesetzt werden. Wir sehen darin eine Gefährdung des Grundrechtes auf Informationsfreiheit.

Begründung

Das vornehmliche Ziel – Kinder zu schützen und sowohl ihren Mißbrauch, als auch die Verbreitung von Kinderpornografie, zu verhindern stellen wir dabei absolut nicht in Frage – im Gegenteil, es ist in unser aller Interesse. Dass die im Vorhaben vorgesehenen Maßnahmen dafür denkbar ungeeignet sind, wurde an vielen Stellen offengelegt und von Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen mehrfach bestätigt. Eine Sperrung von Internetseiten hat so gut wie keinen nachweisbaren Einfluß auf die körperliche und seelische Unversehrtheit mißbrauchter Kinder.

Wovon die Rede ist

Chrisian Bahls, vom Verein Mogis (Misbrauchsopfer gegen Internetsperren), hat eine Analyse der Kriminalstatstik zum Thema “sexueller Misbrauch von Kindern” durchgeführt, und kommt dabei zu erstaunlich anderen Ergebnissen als unsere Regierung:

http://mogis.wordpress.com/2009/04/29/kern-der-debatte/

Der Größte Lump im ganzen Land

Unsere Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hat am 26.04 ein Interview bei dem Radiosender Radio Eins gemacht, in dem erneut jede Kritik an ihren Plänen zur Internetzensur zurückwies, und die Gelegenheit nutzte um auf ihre Kritiker einzudreschen, anstatt mit Sachargumenten für ihr Anliegen einzutreten.

Eigentlich nichts Neues also, aber dieses Mal hat sie zu einem Tiefschlag ausgeholt, der selbst einer CDU-Politikerin im Wahlkampf unwürdig ist.  Folgendes Zitat stammt aus dem Interview:

Wir wissen, dass bei den vielen Kunden, die es gibt, rund 80 Prozent die ganz normalen User des Internets sind. Und jeder, der jetzt zuhört, kann eigentlich sich selber fragen, wen kenne ich, der Sperren im Internet aktiv umgehen kann. Die müssen schon deutlich versierter sein. Das sind die 20 Prozent. Die sind zum Teil schwer Pädokriminelle. Die bewegen sich in ganz anderen Foren. Die sind versierte Internetnutzer, natürlich auch geschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft.

Indirekt bezichtigt Frau von der Leyen hier jeden Internetnutzer, der in der Lage ist einen DNS-Server einzustellen -von ihr als “versierte Nutzer” bezeichnet, wobei man darüber geteilter Meinung sein kann, ob man für das Auswählen eines DNS-Servers “versiert” sein muß- als Nutzer von Kinderpornographie. Natürlich sagt Frau von der Leyen nicht, daß jeder “versierte Nutzer” auch ein Pädophiler ist, damit böte sie eine Angriffsfläche für Verleumdungsklagen, und dumm ist sie ja nicht. Aber sehen wir uns die Aussage mal an:

Wir wissen, dass bei den vielen Kunden, die es gibt, rund 80 Prozent die ganz normalen User des Internets sind.

Dieser Satz sagt inhaltlich erstmal gar nichts aus, weil Frau von der Leyen mit keinem Wort sagt, was denn ein “normaler” Internetuser sei. Der geneigte Hörer soll sich aber erstmal angesprochen fühlen.  Die Benutzung des Wörtchens “normal” bereitet dabei den Boden für das was kommt. Ginge es um eine neutrale Unterscheidung zwischen einfachen Usern, und den “versierten” Usern, diejenigen also die eine Ahnung davon haben, was hinter den Kulissen passiert, hätte man hier von “gewöhlichen” und “versierten” Nutzern sprechen können. Von der Leyen benutzt aber das Wort “normal”, was impliziert daß es auch “unnormale” User gibt, ein Wort das eher negativ konnotiert wird.

Nun geht es weiter:

Und jeder, der jetzt zuhört, kann eigentlich sich selber fragen, wen kenne ich, der Sperren im Internet aktiv umgehen kann. Die müssen schon deutlich versierter sein.

Hier definiert sie, was denn die “unnormalen” User sind. Gleichzeitig erzeugt sie beim Zuhörer ein mulmiges Gefühl, diese “versierten” Nutzer seien ja irgendwie unheimlich. Dem  Zuhörer fällt jetzt vielleicht der nette Stundent von nebenan ein, der immer den Drucker repariert. “Habe ich den vielleicht schon mal mit meinen Kindern allein gelassen?” soll sich dieser Hörer jetzt fragen.

Mit diesem mulmigen Gefühl im Bauch, holt sie nun die Keule raus, indem sie dieses vage Unbehagen bestätigt:

Das sind die 20 Prozent. Die sind zum Teil schwer Pädokriminelle. Die bewegen sich in ganz anderen Foren. Die sind versierte Internetnutzer, natürlich auch geschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft.

Die 20% sind also “zum Teil” schwer pädokriminell. Die Wortwahl “zum Teil” impliziert wiederum einen ziemlich großen Teil dieser 20%. Angesichts des Verhältnisses von pädophilen Straftätern zur Gesamtbevölkerung würde “einige Wenige” die Realtät besser darstellen. So entsteht jedoch der Eindruck, das müßte schon ein beachtlicher Teil sein, bleibt aber vage genug, um sich jederzeit herausreden zu können. Die kurzen nebensatzfreien Sätze, die immer mit einem Personalpronomen beginnen drücken dabei Sicherheit aus: Hier geht es um Fakten, Frau von der Leyen weiß genau wovon sie spricht, soll uns das sagen.

Die Verwendung des Wortes “Die” in den Folgesätzen erfüllt aber noch einen anderen Zweck: Es ist nicht ersichtlich, ob sich die folgenden Sätze auf die 20% “versierter Nutzer” oder auf die “zum Teil schwer Pädokriminellen” beziehen.

So entsteht beim Hörer das mulmige Gefühl, der computerbegeistere Nachbar sei mit einiger Wahrscheinlichkeit auch so ein Kinderschänder.  Das erzeugen dieses Gefühls ist immer geeignet das Klima für Denunziation und üble Nachrede zu schaffen. Ich bin gespannt, wann -wie bei der Terrorismusdebatte- der Aufruf kommt, “verdächtiges Verhalten” den Behörden mitzuteilen. Die Saat eines solchen Aufrufs zur Denunziation schlummert jedenfalls in den Aussagen unserer Familienministerin. Passenderweise ist dies ein Schlag gegen all ihre Kritiker, denn es sind ja genau diejenigen, die nach der Definition von Frau von der Leyen, “versierte Internetnutzer” sind, die am lautetsten Kritik an ihren Plänen äußern. Es ist, meiner Meinung nach, anzunehmen, daß Frau von der Leyen ihre Worte mit großer Sorgfalt gewählt hat, um ihre Kritiker zu diffamieren.

Die Hexenjagd ist eröffnet.

“Der Größte Lump im ganzen Land, ist und bleibt der Denunziant” (Hoffmann von Fallersleben)

Mit einem Bein im Knast

Daß der  neue Entwurf zum Sperren von kinderpornographischen Seiten nicht nur zum Zensieren unliebsamer -aber legaler- Inhalte taugt,  sondern auch Möglichkeiten für Angreifer bietet, sein Opfer Verfolgung durch die Justiz auszusetzen haben ja Alvar Freude und Holger Köpke schon berichtet.

Nachdem Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) ja verlauten lies, daß jeder der auf dieser Sperrseite landet, mit Strafverfolgung zu rechnen habe, und beweisen müsse, das es sich bei dem Aufruf der gesperrten Seite um ein Versehen handele, ist es geboten nocheinmal darauf hinzuweisen, wie einfach es ist, auf so eine Seite zuzugreifen ohne das zu merken.

Die Angriffsmöglichkeit über iFrames und Skripte sind schon genannt worden, aber es geht auch einfacher: Prefetch.

Aktuelle Firefox-Versionen verwenden eine Funktion, bei der entsprechend markierte Links in angezeigten Seiten im Hintergrund bereits verfolgt und heruntergeladen wird. Besonders für Anwender mit langsamen Verbindungen ist das praktisch, weil -so die Prefetch-Links sinnvoll gesetzt sind- die Seite, die wahrscheinlich als nächste betrachtet wird, geladen wird, solange der User die vorherige Seite noch betrachtet.

Google macht regen Gebrauch von dieser Funktion, in dem die Suchmaschine eine Bewertung vornimmt, und die Seiten, die der User am wahrscheinlichsten Aufrufen wird, entsprechend markiert. Auf dem Bildschirm sieht man davon allerdings nichts. Erst ein Blick in den Browser Quellcode offenbart, wo der Mechanismus greift.

Prefetchflag bei Wikileaks

Prefetchflag bei Wikileaks

Google fügt diesen Link zwar nur ein, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, daß der User auf Informationen auf Wikileaks gesucht hat (sucht man nur nach Wikileaks fehlt der Link), aber es besteht die Möglichkeit auf eine gesperrte Seite zuzugreifen, nur dadurch, daß man die Suchergebnisse von Google ansieht.

Ich habe bewußt das Beispiel WikiLeaks gewählt, weil nach der Einführung des Gesetzes eine gute Chance besteht, daß Wikileaks auf der Liste landet. Sollte das BKA den Fehler der Briten zu wiederholen, und Wikipedia auf die Liste setzen, wird die Gefahr noch größer, wenn man bedenkt, wie häufig die Wikipedia in den Googleergebnissen auftaucht.

Besonders wenn die Bedrohung, wikileaks.org auf die Zensurliste zu setzen, Realität wird, werden die Staatsanwaltschaften wohl in Zukunft viel mehr Arbeit haben.

Zum Schluß noch ein Tipp, wie man den Prefetch abstellen kann. Beim Firefox ist diese Funktion voreingestellt. Duch Eingabe about:config erreicht man die Voreinstellungsseite von Firefox. Hier setzt man die Option network.prefetch-next auf false.

Update: Netzpolitik.org schreibt nun auch über das moderne Abenteuer Prefetching.